Der Weg ins neue Leben | Teil 2

Der ehemalige Gutshof Dinglage, wie auch die anderen Güter der umliegenden Dörfer (Rothen, Mustin, Borkow und Kl. Pritz) wurden von der Wirtschaftseinheit Kostirka, die in Zülow ihren Sitz hatte, administrativ verwaltet. Zur Bewältigung der anstehenden Saisonarbeiten wurde die Bevölkerung zur Mitarbeit aufgerufen. Eine ständige Brigade von ca. 15 Mann wurde gebildet. Als Arbeitsleiter wurde der Bürger Paul Dankert, als Brigadier Ernst Trost eingesetzt. Als Entlohnung in Naturalien erhielten sie 500 g Brot, 50 g Zucker, 30 g Butter, 10 g Grütze, 100 g Fleisch, einige Gramm Salz und hin und wieder etwas Getreide zum Kaffeebrennen sowie 3,- bis 4,- Mark täglich.

Durch die Kriegseinwirkungen waren in Mecklenburg/Vorpommern die Erträge und Leistungen in der Landwirtschaft ganz erheblich zurückgegangen. Wurden 1938 bei Getreide 19 dt/ha gedroschen, so sanken die Erträge bis 1945 um 8 dt, also auf 11 dt/ha. Im Bereich Sternberg wurden z. B. bei Roggen nur Erträge zwischen 3 und 10 dt/ha erreicht. Täglich mußten die vollbrachten Leistungen von Frau Helene Schönberg ins Russische übersetzt und nach Zülow gemeldet werden. Durch gemeinsame Anstrengungen normalisierte sich das Leben, und die Wirtschaft wurde angekurbelt. Als Bürgermeister blieb Karl Behn im Amt. Für Ordnung und Ruhe hatten Paul Köster, Paul Bütow, Friedrich Plagemann und Hermann Frehse als Hilfspolizisten zu sorgen. Die größten Probleme bereitete die Wohnungsnot und die medizinische Versorgung.

Eine Typhusepidemie brach aus und forderte Opfer. Zu den Freiwilligen, die die Erkrankten betreuten, gehörte Frl. Ilse Dettmann, Schwester Alma Rubbert sowie der Bürger Heinz Schliehe. Die beiden erstgenannten erkrankten ebenfalls. Schwester Alma starb, wie viele andere auch, in den ersten Tagen des Friedens, nach dem barbarischsten aller Kriege in der Menschheitsgeschichte. Von der ersten Stunde der Befreiung an verknüpften sich die Hoffnungen der bis dahin verzweifelten, geknechteten und ausgebeuteten Landarbeiter vom Traum als freie Bauern für das tägliche Brot des Volkes zu sorgen.

Das um 1922 errichtete Sägewerk
Das um 1922 errichtete Sägewerk

 

        
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